Aktienanteil 100 – Alter? (Teil 1)

In den Empfehlungen der Finanzberater geistert immer mal wieder die Empfehlung, dass die Aktienquote in % der Gesamtanlage altersabhängig etwa 100 – Alter betragen soll. Begründet wird die Formel mit der Restlebenszeit und den mitunter sehr hohen Schwankungen der Aktienkurse sowie der daraus folgenden, im Hinblick auf Entnahmen unerwünschten Volatilität des Depotwertes.
In jungen Jahren soll Vermögen aufgebaut, im fortgeschrittenen Alter vorhandenes Vermögen konsumiert (Beitrag zur Lebensführung) werden. Dieser Gedankengang entspricht der Lebenserfahrung für Durchschnittsverdiener und ist völlig richtig. Für richtig Reiche gelten andere Prämissen.
Ein junger Mensch wird Vermögen für Familie, Anschaffungen und Annehmlichkeiten des Lebens aufbauen und nicht nur, aber auch für den Lebensabend sparen. Es sei denn, sein Arbeitseinkommen ist so gering, dass es gerade so zum Leben reicht. In diesem Fall werden wohl viele Menschen darauf vertrauen, dass die Gesellschaft, vertreten durch den Staat, für sie im Alter sorgt. Wie die Grundsicherung jedoch in einigen Jahrzehnten aussehen wird, weiß heute niemand.
Gehen wir also davon aus, dass mit dem Eintritt in den Ruhestand Vermögen aufgebaut wurde, das nun im weiteren Leben verzehrt werden kann. Man sollte hierbei nicht nur an Champagner, Caviar und Weltreisen in Luxushotels denken, sondern auch an den Beitrag zur Miete, Gesundheit, Beförderung (Taxi statt eigenem Auto), zum altersgerechten Wohnen (ggf. auch im Alters- oder auch Pflegeheim, was bei entsprechendem Service recht teuer werden kann) u.v.m.. Was die Zukunft bringt, weiß man im Vorhinein nicht – man muss auch nicht mit dem Schlimmsten rechnen und darf gern optimistisch bleiben. Aber für die Wechselfälle des Lebens finanziell gewappnet zu sein, gibt Sicherheit und ist eine gute Grundlage für eine lebensbejahende Grundeinstellung.

Was also ist zu tun? Zunächst einmal wäre abzuschätzen, mit welcher Lebenserwartung man rechnen kann. Es ist ein Unterschied, ob das Vermögen fünfzehn oder vierzig Jahre reichen muss. Die Statistiken der Lebensversicherer, die auf den Lebensläufen von Millionen Menschen basieren, nützen dem Einzelnen relativ wenig. Besser wäre es meiner Meinung nach, die Lebensläufe der engeren Verwandtschaft und die eigene Vergangenheit in puncto gesunder Lebensführung, erfahrenen Krankheiten und Entwicklung des körperlichen und geistigen Gesundheitszustandes zu betrachten und die persönliche Lebenserwartung in Jahren abzuschätzen.

Weiterhin sollte man seine jährlichen Einnahmen und Ausgaben abschätzen können, vor allem die sogenannten Einmalereignisse (große Hochzeit des einzigen Kindes, Weltreise, Wohnungs-/ Haus- /Autokauf usw.). Lottogewinne und Erbschaften würde ich erst bei Eingang auf mein Konto berücksichtigen.
Die Differenz zwischen den Einnahmen und Ausgaben sind durch die Vermögensentnahme (Konsumption) zu decken. Ziel ist die Vermögensmaximierung auch in der Konsumptionsphase. Das kann durch eine kluge Investmentstrategie der Vermögensanteile erreicht werden.

Hierzu ist eine kleine Vorbetrachtung notwendig:Wir sehen uns mal die Kursentwicklung der Aktienmärkte in den letzten Jahrzehnten an. In den schlimmsten Zeiten („Internetblase“) hat z.B. der DAX in der Spitze mit 8067 Punkten am 07.03.2000 bis zum 12.03.2003 mit 2003 Punkten 75% verloren hat. Wenn Sie jedoch tatsächlich zum ungünstigsten Kaufzeitpunkt am 07.03.2000 einen Fonds auf den DAX gekauft hätten, hätten Sie (ohne Kostenbetrachtung wie Transaktionskosten, Depotführung, Fondsverwaltungsgebühren etc.) mit Stand von 8067 Punkten am 03.07.2007, also in rund sieben Jahren, kein Vermögen verloren. Danach ging es zwar gleich wieder bis auf 3666 Punkte am 06.03.2009 runter („Finanz- und Wirtschaftskrise“), um am 03.05.2013 in etwa den Einstandswert von 8122 Punkten wieder zu erreichen. Das waren aber nun wirklich die schlechtesten aller Zeiten in den letzten zwanzig Jahren, die jedoch leider immer wieder kommen können. Per heute mit 12203 Punkten hätten Sie einen Gewinn von immerhin noch 51% erzielt, oder 2,4% p.a.
Was bedeutet das für Ihre Investmentstruktur und für Ihren Anlagehorizont? Das möchte ich Ihnen im Teil 2 darstellen.

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Autor: maweroblog

Dr. Ing. Dieter Sebastian Oberweg 25 82024 Taufkirchen mawero@gmx.de Ich bin promovierter Informatiker i.R und langjähriger freier Finanzanalyst. Meine Websites findet man unter www.mawero.de und www.mawero.com. Reale Portfolio sind auf https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf0mawero1 publiziert. Bevor Sie jedoch in die entsprechenden börsengehandelten, teilweise besicherten Zertifikate investieren lesen Sie bitte sorgfältig alle Informationen zu den Wikifolios und Zertifikaten. Ich selbst bin in diesen Zertifikaten und Wertpapieren investiert.

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