Die zwei Komponenten eines Wertpapier-Portfolios

„In den Wirtschaftswissenschaften ist Vermögen (englisch assets) der in Geld ausgedrückte Wert aller materiellen und immateriellen Güter, die im Eigentum einer Wirtschaftseinheit stehen.“ (Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(Wirtschaft)

Es kann ein persönliches / familiäres Vermögen geben, das aus folgenden Elementen bestehen kann (die Aufzählung ist unvollständig):

  • Arbeitsvermögen (Bildung, Erfahrung, Motivation, Gesundheit)
  • Ansprüche aus gesetzlichen und privaten Rentenversicherungen
  • Zeitlich unbekannter und ungewisser Anspruch auf unbekannte Höhe von zu
    erbenden Nachlässen
  • Geschäftsbeteiligungen, Produktionsmittel
  • Patente, Lizenzen
  • Immobilien
  • Kunstgegenstände, Schmuck, Edelmetalle, Sammlungen
  • Hausrat (z.B. Mobiliar, Pkw, Telekommunikationsgeräte, Wohnungseinrichtung)
  • Wertpapiere
  • Bargeld, sonstige Forderungen

in den folgenden Überlegungen wollen wir uns nur auf den Vermögensteil der Wertpapiere konzentrieren, um dessen Anlage (Investition) es gehen soll. Die anderen Elemente werden nicht betrachtet. Aus allen Überlegungen und Berechnungen werden steuerliche Aspekte und Kosten ausgeklammert.

Die nachfolgenden Darstellungen sind aus Gründen einer besseren Verständlichkeit ein wenig vereinfacht.

Rendite und Risiko

Wertpapiere (z.B. Aktien, Fondsanteile, Anleihen, Zertifikate) werden von einem Privatanleger, der für unsere Betrachtungen nicht zu den Reichen zählen soll, in einem Depot gehalten. Alle Wertpapiere eines Depots wollen wir als Portfolio bezeichnen. Die Wertpapiere werden auch Assets (engl.: Vermögensgegenstand, Anlagegut) genannt und werden in sogenannte Assetklassen eingeteilt. Wichtige Assetklassen sind z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Unternehmensbeteiligungen (Private Equity). Ob ein Anleger Assets einzeln (z.B. Aktien von bestimmten Unternehmen) oder in einem Fonds gebündelt kauft, soll für nachfolgende Betrachtungen keine Rolle spielen.

Über die Zeit betrachtet kann der Wert eines Assets höher oder niedriger als zum Zeitpunkt des Erwerbs sein. Das Verhältnis „heutiger Wert / Anschaffungswert -1“ wird als Rendite bezeichnet. Sie kann positiv (Gewinn) oder negativ (Verlust)  oder 0 sein und wird oft in Prozent ausgedrückt. Man kann die Rendite für beliebige Zeiträume berechnen (z.B. täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich, oder auch vom Erwerbs- bis zum Veräußerungszeitpunkt).

Über die Zeit betrachtet kann der Wert (Preis oder Kurs) eines Assets schwanken. Damit schwankt auch die Rendite. Für die durchschnittliche Schwankung der Renditen eines Wertpapieres über einen Zeitraum gibt es eine mathematische Berechnung (Standardabweichung der stetigen Renditen), die in der Finanzwissenschaft als Risiko bezeichnet wird. Das Risiko widerspiegelt die durchschnittliche Abweichung der Renditen von ihrem Mittelwert.

Ein rational handelnder Anleger wird bestrebt sein, mit seinen Anlagen (Investments) eine nach seinem Empfinden möglichst hohe Rendite ohne oder mit geringem Risiko zu erzielen. Ohne Risiko bedeutet, dass die zeitlichen Renditewerte (z.B. Tages-, Wochen, Monatsrenditen) über möglichst viele Perioden stets gleich bleibt. Die Lebenserfahrung aller Generationen zeigt, dass es keine Unternehmung, keine Investition gibt, die risikolos ist – so wie auch unser gesamtes Leben von den vielfältigsten Risiken und Ungewissheiten begleitet wird. Die Lebenserfahrung zeigt auch, dass die Erwartung einer Unternehmung (Investition) auf einen hohen Gewinn mit einem hohen Risiko verbunden ist, von den Ungewissheiten ganz zu schweigen. Dieser Widerspruch kann nicht aufgelöst werden, aber man kann berechenbare Kompromisse eingehen.

Risikoloser Zins und sichere Anlage

Erwirbt ein Anleger einen Schuldschein in Form einer Anleihe, erhält er nach der vereinbarten Laufzeit den Kaufpreis vom Schuldner zurück. Und weil der Anleger als Gläubiger für diese Laufzeit darauf verzichtet hat, dieses Geld für seinen Konsum zu verwenden, erhält er vom Schuldner eine Entschädigung (Prämie) in Form eines Zinses. Das Geld erhält der Gläubiger jedoch nur dann, wenn der Schuldner die Zahlungen (Zins und Tilgung) auch leisten kann und will. Der Gläubiger geht also ein gewisses Risiko ein, dass er durch Zahlungsunmöglichkeit (z.B. Insolvenz) oder –unwilligkeit (z.B. Rückzahlung von Schulden eines Staates) des Schuldners Geld verliert, was er sich durch eine Risikoprämie als weiteren Zinsbestandteil bezahlen lässt. Wenn sich z.B. ein alteingesessenes, hoch angesehenes Unternehmen Geld leiht, wird dieser Risikoaufschlag gering sein, weil die Gläubiger annehmen, dass das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachkommen wird. Ein unbekanntes Startup-Unternehmen mit einer vielleicht guten, jedoch im Markt noch nicht  erprobten Geschäftsidee wird einen hohen Risikoaufschlag entrichten müssen, um Geld von Investoren zu erhalten.

Eine Anlage in ein Asset mit einem Risiko gleich oder nahe Null wird als „sichere Anlage“, der Anlagezins als „risikoloser Zins“  bezeichnet.

Anleihen z.B. der Bundesrepublik Deutschland waren und sind solche sichere Anlagen, wenn auch gegenwärtig mit einem geringen Zins. Es gibt auf dem Markt eine Menge solcher Anlagen, deren Kurse (aktuelle Preise) den Marktkräften unterworfen sind demzufolge natürlich auch schwanken und somit ein Risiko aufweisen. Wenn ein Anleger jedoch eine Vielzahl solcher Wertpapiere in seinem Portfolio hält, ist die Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite dieser Assetklasse über einen längeren Zeitraum (z.B. fünf Jahre) nahezu Null –  er wird mit großer Wahrscheinlichkeit kein Geld verlieren, aber ganz gewiss ist das natürlich nicht.

Anleger mit einer starken Risikoaversion werden eine solche Assetklasse (z.B. Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Staats- und Firmenanleihen mit besten Ratings, Immobilienfonds) in ihren Depots bevorzugen. Sie können mit einer relativ stetigen, aber im Vergleich zu anderen Assetklassen geringen Rendite rechnen.

Als Beispiel für eine sichere Anlage soll nachfolgender Performancechart (Ausschüttungen werden sofort wieder angelegt) eines Immobilienfonds dienen. Die durchschnittliche jährliche Rendite in diesem Zeitraum beträgt 2,99% p.a. bei einem Risiko von 0,41% p.a.:

Hausinvest

Riskante Anlagen

Riskante Anlagen sind z.B. Investitionen in Aktien, Rohstoffe, Fremdwährungen und Cryptogeld, Unternehmensbeteiligungen (Private Equities), unbesicherte Zertifkate, und natürlich alle möglichen Derivate von diesen Assets.

Eine Anlage, die keine sichere Anlage ist, wird als riskante Anlagen bezeichnet.

Anleger mit einer geringen Risikoaversion werden riskante Anlagen aufgrund der Möglichkeit einer höheren Rendite bevorzugen und nehmen das höhere Risiko notwendigerweise in Kauf. Durch eine geschickte, mathematische Operation kann man mehrere solcher riskanten Wertpapiere so kombinieren, dass das Risiko minimiert wird. Für diese bahnbrechende Arbeit aus dem Jahr 1952 ist Harry M. Markowitz 1990 mit dem Wirtschaftsnobelpreis (genauer: „Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaft zur Erinnerung an Alfred Nobel“) ausgezeichnet worden. Dieses Verfahren wende ich übrigens zur Risikominimierung meiner Wikifolios auch an.

Der Mix ist der Burner

Man kann nun ein Portfolio aus diesen beiden Komponenten „sichere Anlage“ und „riskante Anlage“ bilden. Beide Komponenten können in beliebigen Anteilen im Portfolio enthalten sein, je nach Risikoaversion. Der Anteil der sicheren Anlage führt zu einer stetigen Rendite im Portfolio, vergleichbar mit einem zwar geringen, aber stetigen Geldfluss. Der Anteil der riskanten Anlage dagegen beinhaltet die Chance auf eine höhere Rendite des gesamten Portfolios.

Es fällt auf, dass viele große Vermögensverwalter (z.B. Universitäten Harvard, Yale, Chicago, Stanford, MIT, Staatlicher Pensionfonds des Königreichs Norwegen usw.) genau dieser Vermögensaufteilung folgen, wenn auch die Anteile unterschiedlich sind. Der riskante Anteil beträgt etwa zwischen 40% und 80%.

Nun erhebt sich die Frage, ob es eine optimale Aufteilung (Anteile) des Portfoliovermögens auf die beiden Komponenten sichere und riskante Anlage gibt.

Ja, und ich möchte Ihnen gern zeigen, wie das funktioniert.

Wir benötigen dank der Vorarbeiten der Finanzwissenschaftler hierfür nur drei Parameter: den risikolosen Zins der risikolosen Anlage, die Renditeerwartung und die Risikoerwartung der riskanten Anlage in ihrer Gesamtheit (es werden sich meistens mehrere Assets wie Aktien und Fonds im Depot befinden oder sollen aufgenommen werden).

Nehmen wir einmal an, anhand von Daten der letzten zwanzig Jahre ergäbe sich für eine sichere Anlage eine durchschnittliche Rendite von 4% p.a. und für eine riskante Anlage eine durchschnittliche Rendite von 7% p.a. bei einem durchschnittlichen Risiko von 15% p.a.

Bei einer Aufteilung der riskanten Anlage von 0% (d.h. das gesamte Portfoliovermögen wird in eine sichere Anlage investiert) bis hin zu 100% ergäbe sich folgendes Bild

Anteile

Die maximale Rendite  mit 5,07% p.a. liegt bei 66,66% riskanten Anteilen. Sie sinkt mit zunehmender Quote riskanter Anteile, weil das Risiko für das Gesamtportfolio zu stark steigt.
Für die Fachleute sei gesagt, dass hier die wahrscheinliche Rendite als Modalrendite berechnet wurde.
Bei anderen Parametern (risikoloser Zins, Rendite und Risiko der riskanten Anlage) ergeben sich andere Werte.

Wer noch ein wenig selbst probieren will, sei auf meine Website

http://www.mawero.de/index-Dateien/Investmentstruktur.htm

verwiesen. Bitte am Anfang Ihrer eigenen Berechnungen in das Feld „Anzahl der Jahre Ihres Investments (Anlagedauer)“ eine 1 für ein Jahr eingeben und den Wert im Feld „Wahrscheinliche Gesamtverzinsung nach der Anlagedauer“ ablesen.

Mawero_Investmentstruktur

Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Experimentieren.

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Autor: maweroblog

Dr. Ing. Dieter Sebastian Oberweg 25 82024 Taufkirchen mawero@gmx.de Ich bin promovierter Informatiker i.R und langjähriger freier Finanzanalyst. Meine Websites findet man unter www.mawero.de und www.mawero.com. Reale Portfolio sind auf https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf0mawero1 publiziert. Bevor Sie jedoch in die entsprechenden börsengehandelten, teilweise besicherten Zertifikate investieren lesen Sie bitte sorgfältig alle Informationen zu den Wikifolios und Zertifikaten. Ich selbst bin in diesen Zertifikaten und Wertpapieren investiert.

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